Das städtebauliche Bild der Östlichen Altstadt zeichnet sich durch eine vielfältige Geländetopografie und einen einprägsamen Stadtgrundriss aus. Die Bebauung ist kleinteilig und differenziert. Über den Häusern ragt St. Petri stolz gen Himmel.

Städtebauliche Entwicklung der Rostocker Altstadt

13. Jahrhundert

Als Rostocks Gründungsort gilt der Bereich am Alten Markt. Eine auf einem Hügel über der Warnowfurt gegenüber der wendischen Burg der Kizziner gelegene, von wendischen und deutschen Handwerkern bewohnte Siedlung erhielt vom mecklenburgischen Fürsten Heinrich Borwin I. 1218 das lübische Stadtrecht.

Jedoch wird "Roztoc" bereits 1160 in der dänischen Geschichtsschreibung als wendische Burg erwähnt. Die Furt über die Warnow und die Schiffbarkeit der Unterwarnow sind die wichtigsten Quellen für das schnell aufblühende Gemeinwesen.

Es bilden sich vier Siedlungskerne mit eigenen Kirchgemeinden, die jeweils die topografischen Hochpunkte des Hügelrückens des südlichen Warnowufers nutzen.

14. Jahrhundert

Um 1265 vereinigen sich diese Gemeinwesen und beschließen den Bau einer gemeinsamen Stadtmauer. Das Umland ist im 14. Jahrhundert Wald- und Sumpfwiesengebiet, in dem sich kleine Siedlungen der Wenden befinden. Die Unterwarnow wird bei der Verbindung dieser Siedlungen mit der Stadt eine ebenso wichtige Rolle gespielt haben, wie sie für die Stadt als Seeverkehrsstraße des beginnenden Ostseehandels Lebensnerv war.

Um einen jederzeit freien, ungehinderten Zugang zur Ostsee zu haben, kauft die Stadt 1332 von den mecklenburgischen Fürsten das Fischerdorf Warnemünde. Rostock hat um diese Zeit ca. 7.000 Einwohner und ist als Mitglied der Hanse ein wichtiger Handelsplatz der Ostseeländer.

15./16. Jahrhundert

Ende des 15. Jahrhunderts zählt die Stadt 10.000 Einwohner. Die 1419 gegründete Universität zieht zahlreiche Studenten aus skandinavischen und baltischen Ländern in die Stadt. Im 16. Jahrhundert ist ihr durch die Stadtmauer umgrenztes Territorium dicht und geordnet bebaut.

17. Jahrhundert

Das 17. Jahrhundert ist wie in ganz Deutschland, so besonders für Rostock, ein Jahrhundert schwerer Rückschläge. Der Handel wird mehr und mehr zum Welthandel, an dem die an Nordsee und Atlantik gelegenen Städte mehr partizipieren. Die wirtschaftliche Bedeutung der Ostseeregion schwindet.

1669 löst sich der Wirtschaftsbund der Hanse auf. Der Dreißigjährige Krieg mit Pestepidemien, die auch innerhalb der Stadtmauern Rostocks große Opfer fordern, und die Verwüstung des Umlandes Rostocks schädigen die Stadt. Schließlich bricht 1677 ein Stadtbrand aus, der die einst so stolze Stadt zu zwei Dritteln zerstört.

18. Jahrhundert

Am Ende des 17. Jahrhunderts wohnen nur noch 5.000 Menschen innerhalb der Stadtmauern, große Teile der Stadtfläche bleiben über Jahrzehnte als Brachfläche unbebaut. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts beginnt ein zaghafter Aufschwung. Bauten des Spätbarocks und des frühen Klassizismus füllen die Stätten der Brandruinen.

Die wirtschaftlich-technische Entwicklung führt zu einer baulichen Trennung von Lagerhaus und Wohnhaus. Die alten hanseatischen Giebelhäuser, soweit sie erhalten sind, werden zu reinen Wohngebäuden umgebaut und dem Zeitgeschmack entsprechend im barocken oder klassizistischen Stil "überformt".

19. Jahrhundert

In Hafennähe entstehen Speicherhäuser, meist für die Lagerung von Getreide, des Haupthandels der Rostocker. Das von Napoleon gegen England verhängte Handelsembargo (Kontinentalsperre) und seine Feldzüge mit den damit verbundenen Kontributionen bringen jedoch bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen erneuten Niedergang der wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt mit sich.Erst nachdem Rostock 1851 mit dem Bau der Eisenbahnlinie Bad Kleinen - Rostock an das entstehende Eisenbahnnetz angebunden wird, kann die Stadt an dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung des 19. Jahrhunderts in Europa teilhaben.

Jetzt endlich wird es zur Notwendigkeit, die seit der Hansezeit bestehenden Grenzen der Stadtmauer zu sprengen. Die gärtnerische Umgestaltung der zur Verteidigung nicht mehr nutzbaren Wallanlagen wird durch Bürgervereine gefördert.

20. Jahrhundert

Im Westen der Stadt entsteht Werftindustrie. Hier wird 1851 der erste seegehende eiserne Schraubendampfer Deutschlands gebaut.

Ausgehend von bäuerlichen Ansiedlungen vor den Toren der Stadt beginnt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die planmäßige städtische Bebauung der Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Zwischen dem heutigen Hauptbahnhof und dem Stadtzentrum entsteht die Steintor-Vorstadt. Die ersten Gebäude dieser Stadtteile werden an der Peripherie südlich der Wallanlagen gebaut.

Zwischen 1850 und 1900 steigt die Einwohnerzahl von 11.000 auf 54.000 Menschen. 1935 wird Rostock mit 100.000 Einwohnern Großstadt. Der Ausbau der Werftindustrie und die Ansiedlung der Flugzeugindustrie führen der Stadt neue Einwohner zu. Für sie entstehen nordwestlich der Kröpeliner-Tor-Vorstadt große Wohngebiete.

Dass die Stadt sowohl durch die Flugzeug als auch die Werftindustrie zu einem Rüstungsschwerpunkt geworden ist, wird ihr 1942 zum Verhängnis. In mehreren Bombenangriffen wird die Stadt zu einem Drittel zerstört. Insbesondere die jetzige Fläche des Sanierungsgebietes "Stadtzentrum Rostock", die historische Altstadt, ist von den Zerstörungen stark betroffen. Hier fallen 60 Prozent aller Gebäude in Schutt und Asche. Drei der vier großen gotischen Kirchen werden erheblich zerstört.

Als Folge des Krieges geht die Einwohnerzahl auf 92.000 Menschen zurück. Zunächst wird nach dem Krieg von 1948 bis 1953 mit bescheidenen Mitteln entlang der vorhandenen Straßen unter Aufhebung der alten Grundstücksgrenzen (Aufbaugebietserklärung) einfacher dreigeschossiger Zeilenwohnungsbau errichtet (vor allem östlich und nördlich des Rathauses um Grubenstraße und Krämerstraße).

Größere Aufbauimpulse erhält die Stadt nach 1952, als sie aufgrund der von der DDR beschlossenen Bezirkseinteilung Bezirkshauptstadt des Ostseebezirkes wird. Die neue politische und städtebauliche Zielstellung wirkt sich durch den Aufbau der Langen Straße besonders im jetzigen Sanierungsgebiet aus.

Die Dimensionierung dieser Straße und ihre Gestaltung sprengen den bisherigen relativ einheitlichen Charakter der historischen Altstadt. Der nördlich der Straße gelegene Altstadtteil wird vom Leben der Innenstadt durch die neue Magistrale abgeschnitten. Das dort noch vorhandene mittelalterliche Straßennetz wird in der neuen Langen Straße nicht aufgenommen.

Noch ungünstiger wirkt sich für diesen Teil der Altstadt aus, dass der Stadthafen als "Staatsgrenze" zum Sperrgebiet erklärt und damit die historisch gewachsene Verbindung der Stadt und ihrer Bewohner mit dem Hafen unterbunden wird. Das Gebiet zwischen der Langen Straße und dem Stadthafen führt nur noch ein Schattendasein und verfällt.

Ab 1960 bringt der forcierte Aufbau der See-, Hafen- und Werftwirtschaft einen verstärkten Zufluss von Arbeitskräften. Es entstehen neue Wohngebiete zunächst im Westen der Stadt mit Reutershagen I und II, dann die Südstadt unterhalb der Steintor Vorstadt und etwa ab 1960 bis Mitte der 80er-Jahre im Nordwesten (Lütten Klein, Evershagen, Schmarl, Lichtenhagen und Groß Klein).

Die Stadt erhält eine Bandstruktur nach Nordwesten, die mit der Entwicklung der Wohngebiete Dierkow und Toitenwinkel im Nordosten des Stadtzentrums in den 80er-Jahren teilweise ausgeglichen wird, so dass die historische Kernstadt wieder stärker in eine Mittellage gerückt wird.

Das historische Stadtzentrum als potentieller City-Kernbereich kann in seiner funktionellen und baulichen Entwicklung mit dem schnellen Anstieg der Wohnbevölkerung der Stadt nicht Schritt halten und gerät dadurch immer mehr in eine Randlage zu den Entwicklungsschwerpunkten innerhalb der Wohngebiete am Stadtrand. Der Bau des Überseehafens im Nordosten leitet eine neue territoriale Entwicklung der Stadt ein.

Die Verkehrsprobleme spitzen sich mit der Entwicklung Rostocks zu einer Bandstadt zu. Denn der mangelnden Verkehrsinfrastruktur steht eine rasant wachsende Motorisierung gegenüber. So verdoppelt sich von 1990 zu 1991 die Zahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge fast. In nur zwei Jahren steigt sie auf 500 pro 1.000 Einwohner.

1990 ist Rostock eine Großstadt mit 250.000 Einwohnern. Das Wirtschaftsprofil der Stadt ist einseitig auf die See- und Hafenwirtschaft sowie die Schiffbauindustrie orientiert. Daneben stellt die Universität mit ca. 14.000 Studenten und Beschäftigten einen weiteren Wirtschaftsfaktor dar.

Durch die Wende verliert Rostock seine Bedeutung als "Tor zur Welt" der ehemaligen DDR. Es kommt zu einem dramatischen Niedergang der sehr einseitig entwickelten maritimen Wirtschaft. Die traditionelle wirtschaftliche Ostanbindung geht zunächst fast vollständig verloren.

Die Hansestadt muss sich wirtschaftlich umorientieren. Mitte der 90er-Jahre hat ein Stabilisierungsprozess der noch tragfähigen Teile der maritimen Wirtschaft eingesetzt. Von wesentlicher Bedeutung aber ist eine verstärkte Förderung der Bereiche Handel, Dienstleistungen und Tourismus. In diesen Bereichen gibt es positive Entwicklungen. Dadurch rückt die Altstadt Rostocks als historischer Ausgangspunkt der städtischen Entwicklung und als Kernbereich der heutigen Großstadt wieder stärker in den Mittelpunkt.